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Sport Regional
18.01.2022

Ein Schicksalspiel – Cupspiel Volero Zürich – Raiffeisen Volley Toggenbug

Bei den Toggenburgerinnen passte im Cupspiel gegen Volero zu wenig zusammen. Bild: Raiffeisen Volley Toggenburg
«Nein… Ausgerechnet Volero!!»; Dies dürften sich einige Fans von Raiffeisen Volley Tog-genburg gedacht haben, nachdem die Auslosung für die Cup-Achtelfinals klar war.

Und dies aus mehrerlei Hinsicht. Volero Zürich ist wohl eines der umstrittensten Teams der Liga. Unbestritten sind ihre Erfolge. 10x in Serie wurde das Starensemble von Mäzen Stav Jacobi Schweizermeister. Unbestritten war die Spielqualität des finanzstarken Zürcher Vereins. Umstrittener war jedoch die Art und Weise, wie diese Erfolge jeweils zustande kamen. Doch auch aus sportlicher Sicht war das gestrige Cup-Spiel hochbrisant. Der Tabellenletzte der NLA trifft auf den Tabellenersten der NLB. Während die Toggenburgerinnen erst 6 Sätze für sich entscheiden konnten, hat Volero erst einen einzigen Satz verloren! In der Startformation der Zürcherinnen stehen gleich 4 Ausländerinnen und es ist ebenso ein Vorgeschmack auf das, was Volley Toggenburg in der Relegationsrunde erwarten könnte.

Ein packendes Spiel auf Augenhöhe

Die Nervosität zu Spielbeginn war deutlich zu spüren. Vor allem Raiffeisen Volley Toggenburg begann unsicher und handelte sich sogleich einen unangenehmen Rückstand ein. Dies zeigte sich vor allem an den vielen Servicefehlern zu Beginn des Satzes. Zudem war die erstmals im Einsatz stehende Kimi Schnegg mit ihren zierlichen 16 Jahren ein beliebtes Angriffsziel für die Aufschläge der Zürcherinnen. Beim Stand von 18-10 für Volero war aber Schluss mit den Geschenken und die Wattwilerinnen kamen deutlich besser ins Spiel. Die Punkte wurden umkämpfter und dank der stark aufspielenden Harlee Kekauoha kam Raiffeisen Volley Toggenburg sogar auf 23-22 heran. Doch die Gastgeber behielten die Nerven und konnten den ersten Satz mit 25-22 nach Hause bringen.

Zu Beginn des zweiten Satzes konnte Volley Toggenburg die Eigenfehlerquote senken. So entstand nun ein munterer Schlagabtausch zwischen zwei gleich starken Teams. Es zeigte sich, dass dieses übermächtige Volero, wenn es erst mal unter Druck gesetzt wird, auch nur mit normalem Wasser kocht. Mit 15-12 lagen die Zürcherinnen bereits in Front ehe das amerikanische Duo im Diensten der Wattwilerinnen zu einem Höhenflug ansetzte. Auf die aggressiven Services von Roberts konnte Volero eben so wenig reagieren wie auf die Diagonalangriffe von Kekauoha. Der zweite Satz ging unter dem tosenden Jubel der rund 20 angereisten Toggenburger Fans Fans verdient mit 25-17 an die Gäste.

Ein fehlerhafter dritter Satz

Den dritten Satz verschliefen die Wattwilerinnen komplett. Während Volero die eigenen Fehlerquote senken konnte, stieg dieselbe bei den Damen von Trainer Erni in einem erschreckenden Ausmass an. Schnell lag Volero mit 7-1 in Front und beschränkte sich in der Folge darauf, den Vorsprung zu verwalten. Es reichte vollkommen aus, auf die Fehler von Volley Toggenburg zu warten. Denn diese kamen reichlich. Ungenaue Pässe, Fehler in der Annahme, ein überforderter Block und zu allem Überfluss gingen die Angriffe öfters meterweise ins Aus. Es war die schlechteste Phase im ganzen Spiel, sodass der dritte Satz deutlich mit 25-12 verloren ging.

Der Volleyball-Knigge; Geschenke ablehnen – Aber richtig!

Volero kam auch im vierten Satz stärker aus der Pause und setzte sich leicht zum 6-3 ab. Doch Raiffeisen Volley Toggenburg zeigte heute Kämpferqualitäten und konnte zwischenzeitlich wieder zum 9-9 ausgleichen. Das Spiel wurde nun wieder intensiver und Volero bekundete Mühe mit den tapfer aufspielenden Wattwilerinnen. Und sie machten Fehler… Doch leider wusste Raiffeisen Volley Toggenburg so rein gar nichts mit diesen Geschenken anzufangen. Kleines Beispiel; Eine schwache Annahme von Suriano hätte leicht verwertet werden können. Doch stattdessen entschied sich Roberts, den Ball gleich in die Nachbarshalle zu pfeffern. Und auf einen Gratispunkt (Netzberührung einer Volerospielerin) folgte ein ebenso unnötiger Servicefehler der Wattwilerinnen. Wer solche Geschenke nicht nutzen kann, darf sich nicht wundern, wenn das enge Spiel letztlich verloren geht. Obschon sich die Damen von Trainer Erni kämpferisch zeigten, so verlorman auch den vierten Satz mit 25-17.

 

Das Cup Aus und die Folgen

Die Niederlage für Raiffeisen Volley Toggenburg ist verheerend. Aus zweierlei Hinsicht. Erstens zeigt die Niederlage, dass der Aufstieg von Volero in die höchste Spielklasse am Ende der Saison mit hoher Wahrscheinlichkeit Tatsache wird. Und zweitens zeigt sich, dass damit wohl die Tage von Raiffeisen Volley Toggenburg in der NLA gezählt sind, wenn man Groupe E Valtra in den Playoutspielen nicht besiegen kann. Manche mögen nun einwenden, dass die Niederlage auch auf die vielen Ausfälle beim Team von Marcel Erni zurückzuführen ist. Doch diese Argumentation greift zu kurz, denn einerseits wurden die Abwesenden würdig vertreten (Kimi Schnegg) und andererseits war die Personaldichte bei Volley Toggenburg ohnehin nie besonders stark.

Für Raiffeisen Volley Toggenburg wird die Situation nun äusserst ungemütlich. Noch ganze drei Qualifikationsspiele bleiben Trainer Erni um die rote Laterne an ein anderes Team abzugeben. Als 9. Platziertes Team hat man den Vorteil, dass man in der Playoutserie mit einem Heimspiel starten kann und eventuell ein entscheidendes Heimspiel mehr haben wird. Wer die Playouts zwischen Rang 9/10 der NLA verliert, muss in der Relegationsrunde gegen Volero Zürich und ein weiteres NLB-Team antreten. Diese drei Teams kämpfen dann um den letzten Platz in der NLA. Und wie das mit Volero Zürich ausgeht, wurde dem Team aus Wattwil deutlich vor Augen geführt.

 

Die Heimspiele von Raiffeisen Volley Toggenburg werden live auf YouTube gestreamt: https://www.youtube.com/channel/UCdxnEmEfbr2VSIf1tm6sk5Q

Volero Zürich – Raiffeisen Volley Toggenburg   3-1

 

Sätze: 25-22, 17-25, 25-12, 25-17

 

Sporthalle Ruebisbach, Kloten – 182 Zuschauer – SR Rüegg/Schemeth

 

Raiffeisen Volley Toggenburg: Joanna Mazzoleni, Elis Albertini, Harlee Kekauoha, Sabryn Roberts, Jasmin Kuch, Annouk Erni, Kimi Schnegg / Jeanina Wirz (eingewechselt) / Cosima Wildberger, Jil Joos (nicht eingesetzt) / Alina Hofacher, Lara Hasler (krank) Nora Sacher (verletzt)

 

Volero Zürich: Katarina Jovic, Elisa Surioano, Maja Sandrik, Edina Slimovic, Laura Koutsogiannakis, Andrea Tisma, Mathilde Engel / Chiara Ammirati, Ana Pajicic (beide eingewechselt) / Lea Deak, Daila Palma, Lidia-Paula Partnoi, Leijla Sara Hadziredzepovic, Godeliv Schwarz (nicht eingesetzt)

 

Markus Imthurn, Kloten