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Leistungsträger mit positiven Vibes

Zu den Höhepunkten in seiner Zeit bei den Kadetten zählt Samuel Zehnder die Viertelfinal-Partien in der EHF European League gegen Orlen Wisla Plock. Bild: zVg. / Daniel Küttel
Er strahlt zugleich die Freude am Handball sowie die Disziplin, für seine Ziele zu kämpfen, aus. Als krönenden Abschluss der zehn Jahre bei den Kadetten will Samuel Zehnder mit seinem Team den Schweizer Meistertitel zurück nach Schaffhausen holen.

Seit zehn Jahren steht Samuel Zehnder im orangen Trikot für die Kadetten Schaffhausen auf dem Handballfeld. Im Verlaufe der letzten drei Saisons fand er seinen Platz in der ersten Mannschaft als treffsicherer Tor- und Siebenmeter-Schütze. Genau 100 Spiele und 329 Tore zeigt die NLA-Statistik des 22-jährigen linken Flügelspielers bis heute. Und nun neigt sich seine Zeit in Schaffhausen dem Ende zu. Auf die nächste Saison wechselt der 22-Jährige zum deutschen Bundesligisten TBV Lemgo Lippe. Doch davor verfolgt er ein grosses Ziel: mit den Kadetten den Schweizer Meistertitel zurück nach Schaffhausen zu holen. 

Mit Handball aufgewachsen

Bereits als Fünfjähriger entfachte bei Samuel Zehnder die Faszination Handball. Dies nicht zuletzt, da Handball in der Familie stets ein Thema war – schon seine Mutter war U9-Trainerin. «Handball ist schnell, hart und vielseitig. Man rennt, springt und braucht den ganzen Körper», so Samuel «Sämi» Zehnder über seine grosse Leidenschaft. Mit dem Handballspielen begonnen hat er in Wädenswil, wo er aufgewachsen ist, es folgte eine Saison beim HC Horgen. 2012 zog er nach Schaffhausen. «In diesem Jahr wurde die Suisse Handball Academy eröffnet. Mein Bruder Benjamin startete die dortige Ausbildung und ich folgte ihm drei Monate später als mit Abstand Jüngster.» Bei den Kadetten durchlief der Sportler alle Juniorenstufen von U15 über U19 bis zu den Espoirs – und holte mit seinen Teams Titel um Titel. «In der gesamten Juniorenzeit konnte ich vier Meistertitel feiern.»

Parallel dazu stieg er 2015 mit dem Förderlehrgang in die U17-Nati ein, im Frühling 2017 stand der Flügelspieler bereits für das Nati A-Team im Einsatz. «Im ersten Lehrjahr bestritt ich mein erstes Länderspiel», erzählt Samuel Zehnder, der damals eine kaufmännische Lehre bei der Schaffhauser Kantonalbank absolvierte. 2019 durfte er – neben seinem Lehrabschluss – bereits den ersten Schweizer Meistertitel mit dem NLA-Team der Kadetten feiern – beides in der heimischen BBC-Arena. 2021 schloss er dann die BMS ab und konnte sich im letzten Jahr voll auf den Sport konzentrieren. 

Überzeugende Treffsicherheit

Nach Samuel Zehnders erster Saison in der ersten Mannschaft – in der er zum «Rookie of the Year», also dem besten U21-Spieler der Liga gekürt wurde, folgte ein Rückschlag: Aufgrund einer Rückenverletzung fiel er während der gesamten Saison 2019/20 aus. «Das war sehr bitter. Ich verpasste die Champions League und die EM.» Dass Corona für ein frühzeitiges Ende der Saison sorgte, sei ihm nicht ungelegen gekommen: «In dieser Zeit konnte die Verletzung richtig heilen.»

Und Samuel Zehnder kam stärker zurück. 2020/21 konnte er mit den Kadetten den Schweizer Cup-Sieg sowie den Vize-Meistertitel feiern. «In dieser Saison spielte ich zu Beginn sehr wenig. Erst durch die Verletzung von Seppo Frimmel kam ich mehr zum Einsatz und spielte auch das Finale.» 

In der aktuellen Saison ging es weiter bergauf. In kaum einem Spiel steht der 22-Jährige mit der Rückennummer 4 nicht auf dem Feld. «Sein Platz im Team ist der des verlässlichen linken Flügels, der gefühlt keinen Fehler macht», so Kadetten-Captain Dimitrij Küttel, der die Athletik und Treffsicherheit seines Teamkameraden als dessen grösste Stärken sieht. «Wenn er in einem Spiel mal kein Goal schiesst, fragen sich alle, was los ist.» 

Diese hohe Treffsicherheit spiegelt sich auch in der Statistik wider. Als Topscorer der Kadetten verzeichnet er in der laufenden QHL-Saison 164 Tore. Und auch in der europäischen Liga taucht seine Name in den Bestenlisten auf: Mit 101 Toren in 18 Spielen gehörte er zu den stärksten Torschützen der EHF European League. «Das ist eine sehr grosse Ehre, dass mein Name auf dieser Liste neben Spielern wie Bjarki Már Elísson oder Hans Lindberg steht.» 

Vom Wasser- zum Leistungsträger

«Ich konnte europäisch und in der Schweizer Liga zeigen, was ich kann. Ich habe viel Vertrauen vom Trainer und dem Team erhalten, sehr viel investiert und auch mental lange auf diese Saison hingearbeitet», so der Sportler. Zu seinen bisherigen Karriere-Höhepunkten zählt Samuel Zehnder neben der Teilnahme an der WM in Ägypten vor allem die aktuelle Saison mit den Viertelfinalspielen in der European League. 

«Er hat sich vom Wasser- zum Leistungsträger entwickelt. Trotz seines jungen Alters strahlt er viel Ruhe aus», so David Graubner, Manager der Kadetten Schaffhausen, über den 22-Jährigen. Er erinnere sich noch gut an die erste Vertragsverhandlung. «Ein junger, freundlicher Junge kam mit seiner Mutter zu mir. Er war sehr schüchtern, gleichzeitig aber wusste er haargenau, was er wollte und welche Ziele er verfolgt.» Seine fröhliche, unbeschwerte Art verbunden mit Ruhe und Disziplin sieht auch Nati-Trainer Michael Suter als grosse Stärke des jungen Spielers. «Bereits mit 12 Jahren hat er bei uns die Academy besucht. Es hat grossen Spass gemacht, ihn zu fördern. Er war sehr motiviert im Training und hat daher schnell Fortschritte gemacht. Er ist bis heute eines unserer Aushängeschilder.»  

Die Freude behalten

«Es war keine Entscheidung, sondern schon immer mein Traum», so «Sämi» über seinen nächsten Schritt – den Wechsel in die deutsche Bundesliga. Der TBV Lemgo Lippe habe ihn handballerisch, aber auch mit seiner Tradition gleich überzeugt. «Am Ende geht es bei mir immer darum, glücklich zu sein – das ist mein Motto, ich lache viel», so Samuel Zehnder. «Die Bundesliga wird ihn abhärten. Er muss die Freude behalten und weiterhin positive Vibes ausstrahlen, das ist sein Markenzeichen», so Michael Suter. Dem stimmt auch David Graubner zu: «Ich hoffe, dass er verletzungsfrei bleibt. Wenn er dann noch seine kindliche Freude am Handball erhalten kann, welche er jeden Tag ausstrahlt, dann traue ich ihm viel zu.»

Am Donnerstag startet Samuel Zehnder mit den Kadetten in die Playoff Finalserie gegen Pfadi Winterthur – und hofft darauf, als krönenden Abschluss den Schweizer Meistertitel zurückzuholen. Was es dafür braucht? «Viel Disziplin, Kampfgeist, guten Handball und eine volle BBC-Arena.»

Samuel Zehnder gilt als treffsicherer Tor- und Siebenmeterschütze bei den Kadetten. Bild: Lara Gansser, Schaffhausen24
Lara Gansser, Schaffhausen24