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Wattwil
22.06.2022

Sporthalle und Bistro Rietwis Wattwil: Nachhaltige Materialisierung mit regionalem Holz

Zufriedene Gesichter bei Sepp Fust, Lignum Schweiz (rechts), sowie Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner (mitte) und Schulratspräsident Norbert Stieger als Vertreter der Bauherrschaft (links). Bild: Gemeinde Wattwil
Im Rahmen der Eröffnung von Schwimmbad und Bistro-Kiosk lud die Gemeinde Wattwil zu einem «Unternehmerfest» für die Sport- und Freizeitanlage Rietwis ein, um sich bei diesem Etappenziel bei allen am Bau Beteiligten für ihren Einsatz zu bedanken.

Die Lignum Holzkette St.Gallen nutzte die Gelegenheit, um der Gemeinde für das Ensemble «Sporthalle und Bistro» das Qualitätslabel «Herkunft Schweizer Holz» zu verleihen. Noch werden einige Wochen für die Fertigstellung benötigt, bevor am 23.-25. September die gesamte Sport- und Freizeitanlage Rietwis mit einem Festakt eingeweiht und nach den Herbstferien in Betrieb genommen werden kann.

Bereits in der Ausschreibung zum Studienauftrag hatte die Gemeinde Wattwil den Einsatz von nachhaltigen Baustoffen sowie eine hohe Energieeffizienz vorgeschrieben. Für die Sporthalle und das Bistro-Kiosk-Gebäude waren, wenn immer möglich, regionales oder schweizerisches Holz zu verwenden. Auf dem Dach der Dreifachturnhalle ist eine Photovoltaikanlage (Fläche 1'400 m2, Leistung 150 kWp) installiert, und der Minergie-A-Standard wird erreicht. Die Gebäude sind an den Wärmeverbund Wattwil angeschlossen. «Es ist ein qualitativ hochstehendes Ensemble entstanden und gleichzeitig konnten wir einen grossen Anteil der Wertschöpfung in der Region vergeben. Insofern repräsentiert das Erreichte auch die Leistungsfähigkeit und den hohen Standard der regionalen Handwerkskunst», zeigt sich Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner denn hoch erfreut.

Anforderung der Bauherrschaft

Die Vorgaben der Gemeinde wurden von den beauftragten Ingenieuren, Planern, Architekten, Unternehmern und Zulieferern zielgerichtet realisiert. Für Norbert Stieger, Schulratspräsident ist klar: «Es war sehr anspruchsvoll, die Bedürfnisse der vielen Nutzergruppen mit den gestellten Anforderungen zu koordinieren. Wie das Ergebnis zeigt, hat sich der Aufwand gelohnt». Das gesamte Bistro-Kiosk-Gebäude und die Dachkonstruktion der Sporthalle konnten in Holzbauweise umgesetzt werden. Auch die Fassade des Dachkörpers der Sporthalle besteht aus einem geschlossenen Holzschirm mit vertikalen Holzlamellen aus einheimischer Weisstanne. Für die inneren Holzverkleidungen der Wände und Decken wurde regionales Weisstannen- und Eschenholz verwendet. Damit konnten auch die akustischen Herausforderungen gelöst werden, welche sich mit der Anforderung der Eventtauglichkeit stellten.

Wichtiges Qualitätslabel
Auch beim Bauen mit Holz stellen sich Fragen des Vertrauens, der Wertschätzung und der Wertschöpfung. Speziell bei öffentlichen Bauten wünscht die Bevölkerung Klarheit darüber, woher das Holz für die Fassade, den Innenausbau, die Ausstattung und weitere Holzprodukte stammt, und sie legt Wert auf regionalen Ursprung. Das Label «Herkunft Schweizer Holz» ist ein klares und verbindliches Erkennungsmerkmal für Holz, das in hiesigen Wäldern unter den besten Bedingungen gewachsen ist und anschliessend auch hier verarbeitet wurde. Das Label bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass das verarbeitete Holz aus dem Schweizer Wald stammt, in Schweizer Unternehmen durch hervorragend ausgebildete Fachleute verarbeitet wurde und dass daraus Produkte von bester Qualität entstehen. Um die Auszeichnung «Herkunft Schweizer Holz» zu erhalten, muss Industrieholz nachweislich zu 80 Prozent aus schweizerischer Produktion stammen. Der Geschäftsführer von Lignum St.Gallen, Sepp Fust, zeigt sich beeindruckt: «Das Gesamtprojekt «Sporthalle und Bistro» hat diese Vorgabe mit einem Wert von 91.3% deutlich übertroffen».

Ein Fall für die Waldregion

Es war eine erfreuliche Mitteilung, die der Gemeinderat Wattwil im März 2021 den Revierförstern Remo Ziegler und Ruedi Bösch zukommen liess. Möglichst schnell sollten nämlich 847 m3 Weisstannenholz, 144 m3 Fichten- und 127 m3 Eschenholz von guter Qualität für den Bau der neuen Sporthalle geliefert werden. Dazu musste zunächst ein koordinierter Beschaffungsprozess ausgeklügelt werden. Mit den Waldeigentümern waren Preis und Menge auszuhandeln, ehe die beteiligten Revierförster die gewünschten Bäume kennzeichnen und die Holzschläge organisieren konnten. Aus acht Toggenburger Forstrevieren von etlichen privaten und öffentlichen Waldeigentümern wurde das gewünschte Holz bereits im Mai geliefert. Dank grossem Engagement und enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, federführender ARGE Cukrowicz Nachbaur Ghisleni (Architektur/Gesamtleitung und Baumanagement) und ARGE Holzverbund Wattwil (mit allen ausführenden Unternehmen, den Sägewerken und Revierförstern) konnte diese Herausforderung gemeistert und der Bauzeitplan eingehalten werden: Der ordentliche Betrieb der Sportanlage kann nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit nach den Herbstferien aufgenommen werden.

Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor

«Die Nutzung von Schweizer Holz leistet einen wichtigen Beitrag für mehr Ökologie und unterstützt eine starke Wald- und Holzwirtschaft im Toggenburg», stellt Regionalförster Christof Gantner, Leiter der Waldregion 5, fest und doppelt nach: «Es gibt genügend Schweizer Holz». Allein im Toggenburg wurden 2021 rund 90'000 Kubikmeter Holz genutzt. Die langfristige Nutzungsmenge liegt sogar bei rund 110'000 Kubikmeter pro Jahr. Das sind eindrückliche Mengen, wenn man bedenkt, dass eine Weisstanne über 100 Jahre braucht, bis sie geerntet werden kann. Von der Verwendung von regionalem Holz profitieren nicht nur die Waldeigentümer, sondern auch die regionalen Transporteure, Sägereien und Holzbaubetriebe. Neben dem erwähnten Weisstannenholz kommt für die Sporthalle Rietwis auch Eschenholz aus regionalen Wäldern zur Anwendung. Verwendet wurde sogenannte Braunkern-Esche. Mit ihrem natürlich konservierten, hellbraunen Mark und dem hellen Aussensplint wirkt dieses Material besonders lebhaft.

Qualitätslabel «Herkunft Schweizer Holz» für die Sporthalle Rietwis

Das Label «Herkunft Schweizer Holz» wurde 2009 von Lignum Holzwirtschaft Schweiz, dem Dachverband der Holzbranche, ins Leben gerufen. Die Organisation verfolgt das Ziel, alle Aktivitäten rund um das Label «Herkunft Schweizer Holz» zu bündeln. Alles Holz, das in der Schweiz gewachsen ist und hier verarbeitet wird, darf das Label tragen. Dieses wird in der ganzen Holz-Kette eingesetzt: vom Forstbetrieb über die Sägerei und den Schreiner bis zum Detailhändler.

Gemeinde Wattwil