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Kantone
04.06.2021

Deutliche Corona-Spuren im Ostschweizer Aussenhandel

2020 exportierte die Kernregion Ostschweiz Güter im Wert von CHF 14.9 Mrd. – rund 5 % weniger als 2019. (Symbolbild)
2020 exportierte die Kernregion Ostschweiz Güter im Wert von CHF 14.9 Mrd. – rund 5 % weniger als 2019. (Symbolbild) Bild: Pixabay: Pexels
Am 27. Mai 2021 veröffentlichte die eidg. Zollverwaltung die kantonale Aussenhandelsstatistik 2020. Die IHK St.Gallen-Appenzell hat diesen wichtigen regionalen Wirtschaftsindikator analysiert.

Aus der Kernregion Ostschweiz wurden im vergangenen Jahr Güter im Wert von CHF 14.9 Mrd. exportiert. Dies entspricht einem Rückgang von rund 5% gegenüber dem Vorjahr.
Die Corona-Pandemie traf die Ostschweizer Exportwirtschaft dabei stärker als die Gesamtschweiz. Die gesamtschweizerischen Exporte sind lediglich um 4% zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum wurden in der Kernregion Waren im Wert von CHF 13.0 Mrd. (-4.5%) importiert. Daraus resultiert ein Exportüberschuss von ca. CHF 1.9 Mrd. (2019: CHF 2.1 Mrd.).

Indexierte Entwicklung von Exporten und Importen in der Kernregion Ostschweiz und der Gesamtschweiz. Bild: IHK-Research, Eidg. Zollverwaltung

Innerhalb der Kernregion zeigen sich deutliche Unterschiede in Bezug auf den Kanton und die Branchen. Den geringsten Rückgang bei den Exporten verzeichnet der Kanton St.Gallen mit -3.1%.
Im Kanton Thurgau beträgt der Rückgang -7.7%, jedoch verzeichnete der Kanton Thurgau im Jahr 2019 einen starken Anstieg bei den Exporten (+14.4%).
In den beiden Appenzell liegt der Rückgang im tiefen zweistelligen Bereich (AI: -13.4%, AR: -12.5%). Damit setzt sich aber der negative Trend aus dem Jahr 2019 fort (im Jahr 2019, AI: -8.3%, AR: -9.8%).

Ostschweizer Exportwirtschaft unterschiedlich betroffen

Die in der Ostschweiz traditionell verankerte MEM-Industrie exportierte im Jahr 2020 Güter im Wert von über CHF 10.2 Mrd. (-3.9%). «Damit werden knapp 70% aller Exporte in der Region von Unternehmen aus der MEM-Industrie exportiert», erklärt Alessandro Sgro, Chefökonom der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell.
Innerhalb der MEM-Branche zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Während Unternehmen aus der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen und optischen Erzeugnissen ihre Exporte steigern konnten (+13.9%), haben Unternehmen aus dem Maschinenbau (-7.1%) und der Metallerzeugung und -bearbeitung (-11.6%) deutlich weniger ins Ausland verkauft. Die Elektro- und Elektronikindustrie profitierte unter anderem auch von der gestiegenen Nachfrage nach Elektronikgütern wie Laptops oder Sensoren.

Besonders grosse Schwierigkeiten innerhalb des verarbeitenden Gewerbes hatten hingegen Unternehmen aus der Papier- (-19.2%) und der Textilindustrie (-17.2%).
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung bei chemischen (-13.7%) und pharmazeutischen (-1.1%) Erzeugnissen. Während die Exporte dieser Produkte in der Gesamtschweiz stagnierten oder leicht zulegten (chemische Erzeugnisse: -0.5%, pharmazeutische Erzeugnisse: +2.2%), wurde in der Kernregion Ostschweiz ein Rückgang verzeichnet.

Zuversichtlicher Ausblick für die Exportwirtschaft

Die global wieder verbesserte Geschäftslage zeigt sich auch in den Erwartungen der Ostschweizer Exportunternehmen. Die neuesten Resultate der KOF-Konjunkturumfrage zeigen, dass in den nächsten drei Monaten mit einer Zunahme der Exportaufträge gerechnet wird. Zudem wird der Bestand an Auslandaufträgen wieder als gross beurteilt.

Statistiken zur Auslandnachfrage. Bild: IHK-Research, KOF ETH Zürich

Modus der Befragung

Die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes werden monatlich befragt, wie sie den Bestand an Auslandsaufträgen beurteilen. Die befragten Unternehmen können die Frage mit «gross», «normal» oder «zu klein» beantworten.
Der Saldowert des gegenwärtigen Urteils zur Beschäftigung ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten «gross» und «zu klein». Ein Wert über Null deutet darauf hin, dass der Bestand an Auslandsaufträgen hoch ist, während ein Wert unter null einen zu tiefen Auftragsbestand signalisiert.

Die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes werden zudem quartalsweise befragt, wie sich ihre Exporte in den nächsten drei Monaten entwickeln werden. Die befragten Unternehmen können die Frage mit «zunehmen», «gleich bleiben» oder «abnehmen» beantworten.
Der Saldowert des gegenwärtigen Urteils zur Beschäftigung ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten «zunehmen» und «abnehmen». Ein Wert über Null deutet darauf hin, dass die Exporte in den nächsten drei Monaten zunehmen werden, während ein Wert unter null abnehmende Exporte signalisiert.

«Trotz der Lichtblicke dürfte die Ostschweizer Aussenwirtschaft noch länger unter den Folgen der Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden. Insbesondere der starke Preisanstieg bei den Einkaufspreisen und die anhaltenden Erschwernisse bei den Lieferketten stellen für das verarbeitende Gewerbe eine Herausforderung dar» erläutert Sgro und verweist dabei auf die im Mai 2021 durchgeführte Branchenanalyse für das verarbeitende Gewerbe.

Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern

Die aktuellste kantonale Aussenhandelsstatistik bestätigt die Wichtigkeit des Zugangs zu den internationalen Absatzmärkten für Ostschweizer Unternehmen. Der für die meisten produzierenden Branchen niederschwellige Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt, der Europäischen Union, wird bislang durch die bilateralen Verträge gesichert.

Nach dem Verhandlungsabbruch beim Rahmenabkommen mit der EU durch den Bundesrat drohen die bilateralen Verträge zu erodieren. Markus Bänziger, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell, erklärt: «Die Erosion der Bilateralen I wären für den Exportstandort Ostschweiz und damit die gesamte Wirtschaft auf lange Frist einschneidend und würden die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Kernregion Ostschweiz gefährden».

Anpassung bei kantonaler Aussenhandelsstatistik

Bis 2019 wurden die Daten für die kantonalen Statistiken basierend auf der Postleitzahl (PLZ) erstellt, die das Unternehmen in der Zollanmeldung angegeben hatte. Anschliessend wurden die Exporte und Importe gestützt auf die PLZ des Versenders und des Empfängers nach Kantonen aufgeschlüsselt.
Diese Methode machte zahlreiche nachträgliche Korrekturen der PLZ nötig und manche Kantone wiesen grosse Ergebnisschwankungen auf.

Um die Datenqualität zu erhöhen, wurde eine neue Methode entwickelt, bei der die Daten aus den Zollanmeldungen mithilfe der Unternehmensidentifikationsnummer (UID) mit den Daten im Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) abgeglichen werden.

Die Folge davon ist, dass die kantonalen Statistiken nur noch einmal jährlich – jeweils im Mai – publiziert werden. Die Daten zur Schweizer Aussenhandelsstatistik werden monatlich publiziert.

(Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung)

Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell