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21.07.2021

Keine Angst vor grossen Bäumen

Jolanda Schelbert verfolgt ihre Ziele konsequent.
Jolanda Schelbert verfolgt ihre Ziele konsequent. Bild: zVg
Jolanda Schelbert hat sich ihren Beruftsraum erfüllt und sich als Forst- und Waldarbeiterin selbstständig gemacht. Sie ist es gewohnt, sich in Männerberufen durchzusetzen.

Wer meint, von der Statur einer Person auf deren Berufstätigkeit schliessen zu können, muss im Fall von Jolanda Schelbert radikal umdenken. Denn die zierliche 31-jährige Kaltbrunnerin ist Forst- und Waldarbeiterin – und hat seit einem Jahr ihren eigenen Betrieb. Momentan führe sie kleinere Baumfällarbeiten im Wald aus, die sie alleine erledigen könne, sagt Schelbert. «Von Frühling bis Herbst erledigen ich auch Aufträge in Gärten und rund ums Haus, beispielsweise Heckenschneiden.»

Eine Frau, die Bäume fällt ist mehr als ungewöhnlich. Wobei es Schelbert gewohnt ist, eigene Wege zu gehen: Ihre erste Ausbildung absolvierte sie nämlich als Zimmermann, genauer Zimmerin. Sie sei eine bodenständige Frau, die wisse was sie wolle, sagt sie bescheiden. «Und meine Ziele ziehe ich auch durch.»

Jolanda Schelbert liebt Natur und Pflanzen in allen Facetten. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Ins Metier hineingerutscht

Vor vier Jahren kam Jolanda Schelbert durch ihren Partner auf den Geschmack von Forstarbeiten. Sie habe damals gemeinsam mit ihm erste leichte Fällarbeiten ausgeführt. «Zudem konnte ich in Schmerikon bei einem Kollegen mit ähnlichen Aufträgen aushelfen.» Sie sei gewissermassen in das Metier hineingerutscht. 

Mittels zwei offiziellen Kursen für Forstarbeiten holte sich Schelbert anschliessend das notwendige Rüstzeug. Ein Grundsatz sei, dass man nie alleine im Wald arbeiten sollte, betont sie. «Schliesslich gibt es auch echt gefährliche Situationen. Zum Beispiel bei schrägstehenden Bäumen oder bei Sturmholz, welches teilweise unter Spannung steht.» Solche Bäume könnten sich aufsprengen und dann böse Verletzungen hervorrufen. Laut Statistik gebe es jedes Jahr bekanntlich viele solche Unfälle. 

Sie sei eine bodenständige Frau, die weiss, was sie will, sagt Jolanda Schelbert. Bild: Jérôme Stern/LInth24

Arbeit mit Pferden

Heutzutage werden Waldarbeiten vielerorts mit speziellen, schweren Maschinen ausgeführt. Doch vorläufig fällt Schelbert Bäume mit einer Motorsäge. «Je länger, je mehr arbeitet man im Wald auch wieder mit Pferden, welche die Bäume nach dem Fällen rausziehen.» Das sei zwar mit mehr Aufwand verbunden als beim Einsatz von schwerem Gerät, doch könne man den Boden dadurch schonen. 

Sie meint, dass durch den Einsatz von Maschinen im Wald recht viel kaputt gemacht werde. «Darum habe ich mich auch über Pferde in der Waldarbeit informiert.» Es gebe Firmen, die Pferde für diese Arbeit ausbilden und zur Verfügung stellen würden, so Schelbert. 

Bei Fällarbeiten gilt es strikte Sicherheitsregeln zu beachten. Bild: zVg

Was reizt die junge Frau  an der Forst- und Waldarbeit? Sie schätze eine Arbeit, welche sie auch körperlich fordere, antwortet sie ohne zu zögern. «Und ich mag es, wenn ich am Abend weiss, weshalb ich müde bin.» Ein normaler Bürojob sei nichts für sie. 

Zweifel gibt Ansporn

Gab es von ihren Arbeitskollegen manchmal Zweifel, ob sie eine besonders kräftezehrende Aufgabe ausführen könne? Schelbert lächelt. «Solche Situationen gaben mir erst recht den Ansporn, zu zeigen, dass ich das kann.» Auch während der Arbeit als Zimmerin habe sie das bewiesen. «Aber klar, gibt es gewisse Sachen, bei denen ich überfordert war.» 

Seit Schelbert ihre eigene Firma gegründet hat, laufen die Geschäfte nicht schlecht. Richtig grosse Waldarbeiten übergibt sie allerdings vorläufig einem Kollegen, der die entsprechenden Geräte hat. Doch auch in ihrer Branche ist Corona ein Thema: «Viele Leute hatten während der beiden Lockdowns mehr Zeit und ihre Gartenarbeiten selber erledigt.»

Jérôme Stern, Linth24/Toggenburg24