Erst später verbindet der Dreikönigskuchen die Drei-Königs-Symbolik. Der eigentliche Ursprung liegt in den Saturnalien (Dezember/Januar). Die Saturnalien waren ein grosses Volksfest, und dafür wurde die soziale Ordnung für kurze Zeit aufgehoben, nämlich dienten die Herrn den Sklaven. Ein Los bestimmte den König des Tages. Dafür wurde ein Brot oder Kuchen geteilt. Darin wurde eine Bohne versteckt. Wer sie fand, war für einen Tag lang der König!
Das war eine spielerische Machtdemontage. Es zeigte sich in dem Spiel, dass Macht nicht göttlich oder verdient ist, sondern zufällig und vergänglich.
Ursprünglich wurde eine getrocknete Bohne (als Symbol des Lebenskeims), später eine Mandel, dann eine Porzellanfigur und heute eine Plastikfigur im Dreikönigsbrot oder -kuchen versteckt.
Bohne als Symbol der Fruchtbarkeit
Die Bohne stand für Fruchtbarkeit, Neubeginn und verborgenes Potential.
Wie viele Rituale wurde auch dieses christianisiert. Im frühen Mittelalter übernahm die Kirche den Brauch und verband ihn mit dem 6. Januar (Epiphanie). Sie gab dem Ritual eine neue Bedeutung. Die drei Könige erkennen das Kind, worin der König verborgen ist. Es ging dabei nicht um Macht, sondern um Erkenntnis. Der Kuchen bleibt, die Bedeutung hat sich gewandelt.
Gemeinsames Teilen ist wichtig
Der Dreikönigskuchen wird nicht allein gegessen, sondern geteilt. Jeder Mensch bekommt ein gleichgrosses Stück. Niemand weiss vorher, wer König wird. Die Gleichheit kommt vor dem Los und die Gemeinschaft vor der Hierarchie.
Die Papierkrone, die mit dem Dreikönigskuchen verkauft wird, ist eine späte harmlose Zugabe (heute König sein). Mit dem Titel König gibt es Verantwortung zu tragen, grosszügig zu sein und manchmal bedeutet es auch, dass man den nächsten Kuchen bezahlt.