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Mosnang
04.10.2021

Hohe Sprachkunst in der Krone Mosnang

Bild: Die Bühnenpräsenz und Wortgewandtheit von Volker Ranisch war äusserst beeindruckend.
Am vergangenen Samstag fand der zweite Anlass der Veranstaltungsreihe «Kultur in der Krone» statt. Nach dem Auftaktanlass vom Juli mit klassischer Musik kamen die Besucherinnen und Besucher nun in den Genuss von literarischen Theater. Auf der Bühne stand der in Mosnang wohnhafte Schauspieler Volker Ranisch.

Bei einem vorzüglichen Überraschungs-Menu mit zarter Kalbsschulter und raffiniertem Kartoffelpüree mit Wasabi wurden die Gäste mit literarischem Theater vom Feinsten verwöhnt. Das Stück war eine Adaption von Thomas Manns letztem Roman «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull», das alles andere als ein abgeklärtes Alterswerk ist. Frech rückt der Autor den Künstler als «Illusionisten» in die Nähe  des Hochstaplers und Betrügers. Der Stoff ist durchaus heute noch aktuell: Die Sehnsucht, ein anderer zu sein, als der man ist, ist nicht weniger verbreitet als damals. Weil aber jeder Widerspruch von Schein und Sein eine komische Seite hat, gab es an diesem Kulturabend viel zu lachen. Thomas Manns berühmte Ironie machte sprachlich in jedem Satz die Unstimmigkeit der Dekadenz transparent.    Das Kammerspiel mit Volker Ranisch hatte seine Premiere 2005 im Theater im Palais in Berlin. Danach wurde das Stück fester Bestandteil des Repertoires vom Theater. Als Ensemblemitglied prägte Ranisch dort über viele Jahre den Spielplan als Schauspieler und Regisseur. Die Inszenierung «Felix Krull. Hochstapler» spielt er heute als eigenständige Produktion auf Gastspielen im In- und Ausland.

Indem er in die Rolle des Ich-Erzählers Felix Krull, einem liebenswürdigen Schwindlers, schlüpft, lässt Ranisch vor seinem Publikum in freier Rede die illustre Gesellschaft des Literaturklassikers entstehen. Die Inszenierung lebt vom vortrefflichen Wortwitz des Autors und der ausdrucksstarken Bühnenpräsenz von Ranisch. Seit vielen Jahren wohnt der deutsche Schauspieler im Weiler Rick in Mosnang. Dank Gastrollen am Schauspielhaus Zürich entdeckte er das Toggenburg. Ranisch hat Lehraufträge an staatlichen und privaten Schauspielschulen, ist Produzent freier Theaterproduktio­nen, arbeitet in Programmkommissionen kultureller Insti­tutionen und ist Präsident vom Chössi-Theater in Lichtensteig. In den letzten Jahren hat er sich vor allem mit Bearbeitungen literarischer Werke für die Bühne einen Namen gemacht. Letzten Herbst wurde Ranisch bereits von Kultur Mosnang engagiert, er führte zusammen mit Gian Rupf das Stück «Via Mala» in der Taamühle auf.     

Beim nächsten Anlass am 11. Dezember erklingt wieder Musik im Krone-Saal, dieses Mal vom DuoCorda mit Harfe und Violine. Tickets sind online erhältlich unter www.kulturmosnang.ch/krone.

Marion Oberhänsli, Kultur Mosnang