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Kultur
13.07.2022
13.07.2022 12:44 Uhr

«Die Geschichte wird weitergeschrieben»

Richi Küttel, ein Urgestein des Schweizer Poetry Slam hat die Schweizer und St.Galler Slam-Szene von Beginn an als Vermittler, Organisator und Förderer begleitet. Bild: Pierre Lippuner
Vom 22. bis zum 24. September finden passenderweise die internationalen, deutschsprachigen u20 Meisterschaften in St.Gallen statt.

«Nach dem ersten Slam in St.Gallen 2003 entstand ein kleiner Hype um das Format. Dank Etrit Hasler war ich Slammer der zweiten Stunde und ab 2002 auf der Bühne», sagt der St.Galler Richi Küttel. Die ersten Veranstaltungen hätten im Jugendkulturraum flon stattgefunden, da habe es immer viele Jugendliche gehabt. «An der St.Galler Kulturkonferenz wurde ich von der damaligen Stadtbibliothekarin Christa Oberholzer darauf angesprochen, ob wir nicht einen Schülerinnen und Schüler-Poetry-Slam mit Workshop machen wollten. Mit ihr habe ich das organisiert», erinnert sich Küttel. Hasler leitete den Workshop und Lukas Hofstetter, Veranstalter, wirkte unterstützend mit. Das Interesse sei zu Beginn nicht überwältigend gewesen, aber schon bei der zweiten Veranstaltung habe es angezogen und es gab den ersten Monsteranlass mit 24 Slammenden. Bei den ersten u20 Slams waren auch Josipa Coric, die noch heute Slams in Flawil organisiert und Rosie Hörler, die immer noch auf der Bühne steht, mit dabei.

«Kritisches und kreatives Denken wird gefördert»

Seither hat sich der u20 Slam etabliert – in St.Gallen, aber auch in ganz Europa. Sehr schnell seien erste Stars gefeiert worden. «Wir wollten mit dem u20 den Jugendlichen eine Chance für den Einstieg in die Szene geben, sozusagen ein Ausprobieren im geschützten Rahmen. Sich einfach mit den gestandenen Slammern auf die Bühne zu stellen, haben sie sich nicht getraut», sagt Küttel. Einige, die nach dem Einstieg mit u20 Slams heute bekannt und erfolgreich auf Comedybühnen stehen, haben vom Format profitiert. «Mit dem U20 wurde und wird ganz klar die Botschaft vermittelt: Ihr könnt das auch, hier findet Ihr Unterstützung und Gleichgesinnte», sagt Küttel. Auch sonst hat u20 Slam vielen einen Mehrwert gebracht. «Neben Sprachbewusstsein und -kompetenz, sicher auch persönliche Kompetenzen in Auftritt und Umgang mit sich selbst, Kreativität und kritisches Denken. Es bringt auch eine Einbindung in eine respektvolle, aufmerksame Gruppe mit Gleichgesinnten und die Möglichkeit rumzukommen und Respekt für ein selbstwirksames Tun zu erhalten», sagt Küttel.

«Qualität wird grossartig sein»

Inzwischen, so Küttel, sei die u20-Szene vernetzter und professioneller geworden. «Heute gibt es Lektionenkonzepte und pädagogische Fachliteratur dazu. Und die Slammenden können sich die Veranstaltungen aussuchen, an denen sie auftreten wollen», sagt Küttel. Ausserdem, so sagt er, sei die Präsenz von Themen wie Diversität und Awareness viel grösser. Er freut sich, dass u20 seit dem Start, den er in St.Gallen mitgetragen hat, heute immer noch läuft. Ich darf für mich in Anspruch nehmen, dass ich ganz viele Menschen direkt und indirekt inspiriert und für eine Welt begeistert habe. Dass andere mein Zepter übernommen haben und die Geschichte weiterschreiben, macht mich sehr dankbar», sagt das Slam-Urgestein Küttel. Dass nach 19 Jahren Aufbau und Pflege des U20 Slams die deutschsprachigen Meisterschaften nach St.Gallen kommen freut ihn riesig: «Die Qualität der Vorträge wird zweifellos grossartig sein, denn die jungen Sprachkünstlerinnen und Sprachkünstler übertreffen die Profis oftmals in Authentizität und Experimentierfreude!» 

Wer gerne bei einem u20 Slam dabei sein möchte, hat vom 22. bis 24. September die Chance dazu – die besten Slampoetinnen und Slampoeten aus dem internationalen, deutschsprachigen Raum werden in St.Gallen um den Titel kämpfen. Tickets gibt es unter: www.u20slam22.ch

pd