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19.09.2022

Energieknappheit im Toggenburg?

Bild: Region Toggenburg
Besonders hinsichtlich des kommenden Winters stehen aktuell Befürchtungen bezüglich einer Knappheit und Preiserhöhungen im Raum. Auch im Toggenburg wird die Situation wachsam beobachtet, Panik ist aber gemäss Auskunft der Energieversorger nicht angebracht.

Aufgrund des Ukraine-Krieges sowie weiterer Faktoren wie zum Beispiel dem trockenen Sommer hat sich die Lage im Energie-Markt nochmals verschärft. Auch wenn aktuell die Energieversorgung der Schweiz gesichert ist, gilt es gemäss Bundesrat sowohl für private Haushalte wie auch für Wirtschaft und Industrie, sich mit entsprechenden Massnahmen auf eine mögliche Mangellage vorzubereiten.
 
Engpässe im europäischen Strommarkt
Bereits seit längerer Zeit importiert die Schweiz im Winter Strom, was aber in den kommenden Monaten aufgrund der Ausfälle von verschiedenen europäischen Atomkraftwerken schwierig werden könnte. Verschärft hat sich die aktuelle Situation auch durch den trockenen Sommer und die leeren Stauseen. Somit prüft der Bund zur Zeit verschiedenste Optionen, rät aber bereits jetzt mit verschiedenen Tipps zum Stromsparen.
 
Vierstufiges Vorgehen bei Gasmangellage
Auch wenn aktuell genügend Gas auf dem Markt vorhanden ist, hat die Schweizer Gasindustrie, auch aufgrund einer Bundesverordnung , mehr Gas als der eigentliche Bedarf wäre sowie Speicheranteile im Ausland beschafft. Sollte es in der Schweiz trotzdem zu einer Gasmangellage kommen, würde der Bund ein vierstufiges Vorgehen umsetzen. Zuerst gäbe es Sparapelle an alle Gasverbraucher. Anschliessend müssten alle Zweistoffkunden auf den zweiten Energieträger umschalten – im Normalfall ist das Heizöl. Als letzte Massnahme würde man Kontingentierungen anweisen. Dabei wird zwischen nicht geschützten und geschützten Kunden unterschieden. Nicht geschützte Kunden sind Marktkunden aus Industrie und Gewerbe. Geschützte Kunden sind Haushaltungen und diese kämen erst am Schluss in den Fokus.
 
Steigende Preise
Die Preise für alle Energieträger sind massiv gestiegen. Die Konsumenten bemerken zeitnah, dass die Preise an den Benzin- und Dieselzapfsäulen steigen. Auch die Gaspreise wurden von den Versorgern kurzfristig und regelmässig nach oben angepasst. Die Strompreise werden jedoch erst verzögert anziehen, weil die Stromversorger ihre Endkundenpreise nicht unterjährig anpassen können. Aktuell werden die Preise für das Jahr 2023 bekannt gegeben und die Anpassungen der verschiedenen Anbieter in den entsprechenden Versorgungsgebieten kommuniziert.
 
Toggenburger Energieversorger
Die verschiedenen lokalen Energieversorger unternehmen unter erschwerten Bedingungen alles, um auch in den kommenden Monaten alle Toggenburger Energiebezüger optimal zu versorgen. Allerdings raten auch sie den Verbrauchern, sich mit verschiedensten Massnahmen den herausfordernden Rahmenbedingungen anzupassen. Wie die Energieeffizienz verbessert werden kann und was die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Energieversorgung sind, erzählen Marc Zysset von der Säntis Energie AG (Gasversorgung) und Alex Hollenstein von der Thurwerke AG im nachfolgenden Interview.

Muss das Toggenburg mit einer Energieknappheit rechnen?

Marc Zysset: Derzeit besteht keine Mangellage, im Bereich Gas. Die primäre europäische Sorge ist der kommende Winter. Ob es dann zu einer Mangellage kommen könnte, hängt von verschiedensten Faktoren ab. Vor allem wenn der Winter sehr kalt werden sollte, verstärkt sich das Problem. Bei tiefen Temperaturen wird viel Gas zum Heizen gebraucht. Der zunehmende Einsatz von Elektrowärmepumpen zum Heizen verschärft gleichzeitig das Problem der Stromknappheit.

Alex Hollenstein: Das Toggenburg ist den gleichen Rahmenbedingungen unterworfen wie die restliche Schweiz. Momentan besteht keine Strommangellage. Der Bund hat im Hinblick darauf, dass es zu einer solchen käme, vier Bereitschaftsgrade definiert und Sparmassnahmen auf der Seite www.nicht-verschwenden.ch aufgeschaltet. Das geht vom Abschalten von Geräten, die nicht in Betrieb sind, bis zum richtigen Lüften und angemessenen Heizen. Diese Tipps sind hilfreich. Wenn der Winter nicht sehr kalt wird und die französischen Kernkraftwerke wieder in Betrieb genommen werden können, bin ich zuversichtlich, dass wir mit «Sparen» durchkommen. Dass wir keine Energie verschwenden, ist aber sowieso sinnvoll.

 
Welche Auswirkungen hat die aktuelle Lage auf die Energieversorgung von privaten Haushalten und Industriebetrieben?
 
Marc Zysset: Wie gesagt, derzeit gibt es keinerlei Einschränkungen. Zu beachten ist aber, dass die Preise enorm gestiegen sind, was sowohl Haushaltungen wie Industrie und Gewerbe trifft. Man sollte sich für die kommenden Monate auf sehr hohe Energiekosten einstellen.

Alex Hollenstein: Aktuell auch im Strombereich keine, weder für private Haushalte noch für Industrie und Gewerbe. Nächstes Jahr gelten dann die per Ende August kommunizierten neuen Preise. Und da zeigt sich eine Auswirkung für alle: 2023 sind die Strompreise überall merklich höher als dieses Jahr. Wie gesagt: Es ist immer sinnvoll, Energie zu sparen, wo es geht. Die nichtgebrauchte Energie ist immer die günstigste.
Für den Fall, dass es zu einer Strommangellage käme, greift der genannte Vierstufen-Plan des Bundes. Die letzte Stufe sähe abgestufte Kontingentierungen vor. Bei Grosskunden mit über 100'000 KWh Verbrauch pro Jahr, kann es dann zu Einschränkungen kommen. Sie werden laufend von Ihrem Verteilnetzbetreiber informiert.

 
Was sind Ihre Empfehlungen für die kommenden Monate?
 
Marc Zysset: Wichtig ist, dass man die Lage immer sachlich analysiert und die nötigen und möglichen Schritte einleitet. Panik und Angst sind bekanntlich schlechte Berater. Panikkäufe, wie dies zum Beispiel der Chef der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom) propagiert hatte, sind sicher fehl am Platz. Mit Kerzen und einem Ster Holz würden Sie sich im Notfall nicht wirklich helfen. Auch der Kauf von Notstromaggregaten würde den Leuten im Bedarfsfall wenig dienlich sein. Notvorrat ist per se eine sinnvolle Sache (siehe «Kluger Rat – Notvorrat» des BWL) und dies nicht erst seit in Osteuropa ein Krieg ausgetragen wird. Man sollte sich aber immer daran orientieren, was man damit erreichen möchte und wie man dies umsetzen würde. Licht kann man z.B. mit einer Kurbellampe mit LED wesentlich einfacher erzeugen als mit Kerzen.

Wichtig ist, dass wir alle möglichst sinnvoll mit Energie umgehen, also nur dort brauchen, wo es angebracht ist und nur so viel wie nötig. Energieverschwendung war und ist eigentlich schon immer sinnlos, aber weil Energie bisher sehr billig war, haben viele Leute den Bezug dazu verloren. Diese Sensibilität gilt es wieder aufzubauen.

Alex Hollenstein: Das Beste ist wirklich, kühlen Kopf zu bewahren, ruhig zu bleiben und gezielt sinnvolle Massnahmen zu treffen, um Verschwendung durch unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Wir können wie gesagt alle dazu beitragen, beim Verbrauch und damit zugleich bei den Kosten zu sparen. Das fängt im Kleinen an, ich habe bereits auf die Tipps hingewiesen. So banal es tönen mag, aber es ist eben schon so: Auch Kleinvieh macht Mist. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen können. Dann bleiben wir verschont von kurzen Stromabschaltungen bis zu vier Stunden für private Haushalte, die der Bundesrat als letzte Massnahme auf der vierten Stufe in seinem Notfallszenario definiert hat.

Region Toggenbir