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Lifestyle
19.03.2021

Reisen treibt die Pandemie an

Wir reisen heute bequem von Kontinent zu Kontinent. Bild: zVg
Schon in der Zeit der spanischen Grippe und der Pest konnte man erkennen, dass sich das Virus rasch durch die Schifffahrt ausbreitete, also durch die Verschiebung von Menschen.

Mit dem Reisen breitet sich eine Pandemie rasend schnell aus. Das hat man schon bei der spanischen Grippe und bei der Pest feststellen können. Nachdem ich mich mehr mit der Spanischen Grippe inklusive der Pest und ihrer Ausbreitung befasst habe, wurde mir klar, dass das Reisen, respektive die Verschiebung von Menschen von Kontinent zu Kontinent viel verschleppen kann.

Es wäre vielleicht an der Zeit, einmal unsere Kontinenten übergreifenden Bewegungen ein bisschen näher zu betrachten. Es geht nicht darum, gar nicht mehr zu reisen. Es geht auch hier um Selbstverantwortung.

Beschleunigung durch weltweite Menschen Verschiebungen

Mit US-Truppentransportschiffen gelangte die Krankheit offenbar nach Frankreich. Von der französischen Hafenstadt Brest breitete sich die Grippe rasch unter der Zivilbevölkerung und auch unter den Soldaten aus. In den ersten zwei Wochen im Mai 1918 meldete die britische Marine über 10'000 Krankheitsfälle und sah sich außerstande, auszulaufen.

Migration, Truppenbewegungen, Handel und Kolonialismus

Im Juni wurden zahlreiche Fälle aus Indien, China, Neuseeland und den Philippinen gemeldet. Im Hafen von Manila erkrankten über zwei Drittel der Dockarbeiter, so dass Schiffe nicht mehr entladen werden konnten. Die weltweite Ausbreitung wurde durch Migration, Truppenbewegungen, Handel und den Kolonialismus beschleunigt.

Hafenstadt (Symbolbild) Bild: zVg

Ausbrüche in Hafenstädten

Eventuell brach die Grippe erstmals auf dem norwegischen Frachter Bergensfjord aus, der im August 1918 mit 200 erkrankten Besatzungsmitgliedern in Brooklyn anlegte.

Es folgten mehr oder weniger gleichzeitig Ausbrüche in vier Hafenstädten: Boston in den USA, Brest  an der französischen Atlantikküste, Dakar im Senegal und Freetown, die Hauptstadt der damaligen britischen Kolonie Sierra Leone in Westafrika. Der Ausbruch in Freetown fällt zeitlich mit dem Einlaufen des zum Hilfskreuzer umgebauten britischen Passagierschiffes HMS Mantua, jener in Dakar mit dem Einlaufen der HMS Ebro.

Zuvor war auf beiden Schiffen die Grippe ausgebrochen. Da die Krankheit nach übereinstimmenden Berichten rund um den Atlantik jeweils bei Schiffsankünften ausbrach, gewann man zeitgenössisch den Eindruck, dass sich die neue Welle der Grippe auf dem Meer zusammengebraut habe.

Rückkehrende Truppen brachten Krankheit

So in Neuseeland, als die ersten Truppen über das Meer von Europa zurückkehrten.

Schiff im ersten Weltkrieg versenkt. Bild: zVg

Im Vergleich die Ausbreitung der Pest

Um das Jahr 1347 kam der «Schwarze Tod» dann nach Mitteleuropa – vermutlich auf Schiffen aus dem Vorderen Orient.

Die Hafenstadt Caffa auf der Krim-Halbinsel, das heutige Feodosija in der Ukraine, war damals eine der wichtigsten Handelskolonien Genuas.

Von dort breitete sich die Pest über die Handelswege in Europa aus. Unter anderem waren Frankreich, England, Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Finnland und schließlich sogar Grönland betroffen.

Viele Menschen flüchteten in Panik aus den betroffenen Städten, wodurch sich die Seuche umso schneller verbreitete.

Mallorca (Symbolbild) Bild: zVg

Genauer hinschauen und Verantwortung übernehmen

Mallorca ist offen. Was für eine Freude! Doch lohnt es sich nicht, einmal genauer hinzuschauen, vielleicht noch etwas zu warten, statt sofort zu reisen. Viel besser wäre es doch, dass nicht alle gleichzeitig im Sommer ans gleiche Ziel fliegen oder fahren.

Schon klar, dass wir dieses Jahr alle Ferien haben und gerne weg wollen nach dieser langen Zeit der Enthaltsamkeit. Doch ist es nicht sinnvoll, zu schauen, wie sich die Situation entwickelt oder sich für eine Destination zu entscheiden, die nicht so überlaufen ist? Auch wenn es nicht die Wunschdestination ist?

Vorausschauend gereist

Ich kann mich gut erinnern, als wir 1996 in die Niederlanden reisen wollten. Vorher waren wir noch beim Hausarzt mit einem unserer drei Kinder. Er vernahm von unserer Reise in meine Heimat und meinte nur beiläufig, er hätte gelesen, dass in einer Ortschaft in Friesland erneut die Kinderlähmung ausgebrochen sei. Friesland ist bekannt, sehr streng katholisch zu sein. In diesem Dorf wurden die Kinder nicht ärztlich behandelt, da es Gottes Wille sei, dass sie krank würden. Er riet mir, unseren kleinsten Sohn doch jetzt gegen Kinderlähmung zu impfen. Er war damals 16 Monate alt. Ich hätte ihn sowieso geimpft, doch vielleicht nicht gerade vor unserer Reise. Doch es schien mir sinnvoll, auch meine Tante ermahnte mich dazu. Eine durchaus erprobte Impfung, die viel weiteres Leid verhindern konnte.

Spanische Grippe auf Mallorca. Bild: zVg

Damalige Schutzmassnahmen

In dem Versuch, die Krankheit einzudämmen, versuchten leitende Militärärzte zu erreichen, dass nur die notwendigsten Schiffsbewegungen zugelassen wurden. Vor dem Ablegen aus dem Hafen sollten die Schiffe eine Quarantäne durchlaufen, um zu verhindern, dass Kranke an Bord waren. Die Durchsetzung gelang damals nicht, da die in Europa kämpfenden Truppen dringend Verstärkung brauchten. Doch war das eine hohes Risiko für die Soldaten.

Ohne Maske – Geldstrafe

Diejenigen US-Städte, die früh in der Epidemie eine konsequente Kombination mehrerer unterschiedlicher öffentlicher Maßnahmen ergriffen hatten, im Vergleich zu Städten, die keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen hatten, eine halb so hohe Spitzensterberate hatten. Einzelmaßnahmen gingen nicht mit einer vergleichbar niedrigeren Rate einher. Vielfach war auch das Tragen von Gesichtsmasken vorgeschrieben. Die Zuwiderhandlung wurde zum Beispiel mit Geldstrafen geahndet.

Viele Menschen auf engem Raum in Indien. Bild: zVg

Beengte Verhältnisse und geschwächte Menschen

Stark betroffen waren Südamerika, Asien, Afrika und die pazifischen Inseln. Verstärkend trat hinzu, dass Indien zu dieser Zeit von einer Hungersnot heimgesucht wurde. Aus den ländlichen Regionen zogen viele in die größeren Städte, weil sie dort auf eine bessere Versorgung hofften. In den beengten Verhältnissen war die Ansteckungsgefahr besonders hoch. In den durch die Kolonialkriege und den Weltkrieg geschädigten Gebieten des heutigen Tansania, Sambia und Mosambik wütete die Seuche ebenfalls sehr stark.

Pesteindämmung

Im Mittelalter kannten die Menschen kein wirksames Mittel gegen die Pest. Häufig wurden die Erkrankten zur Ader gelassen.

Andere Kranke wiederum bekamen Brechmittel oder Einläufe. Heute ist bekannt, dass diese Maßnahmen den ohnehin geschwächten Patienten eher schadeten als nützten.

Um sich zu schützen, trugen die Menschen Tücher oder Masken vor dem Gesicht. Außerdem versuchten sie durch das Verbrennen duftender Hölzer und Kräuter sowie durch das Versprühen von Essig- oder Rosenwasser gegen die Krankheit anzukämpfen, doch auch das blieb erfolglos.

Die Häuser mit Pestkranken wurden gekennzeichnet. Sogar von den eigenen Familien und den Geistlichen wurden die Erkrankten im Stich gelassen.

40 Tage Quarantäne – quaranta in Italienisch

Isolation der Kranken konnte die Ausbreitung eindämmen. 1423 gab es auf einer Insel bei Venedig das erste Pestkrankenhaus Europas. Die Venezianer hatten auch eine Quarantänestation, da auch sie einen Zusammenhang zwischen Pest und Schiffsverkehr vermuteten. Aus dieser Zeitspanne stammt der Begriff Quarantäne.

Viele Tote in der Pestzeit zu beklagen, Pestkrankenhäuser entstanden. Bild: zVg

Zahlreiche Pandemien und Epidemien suchten die Welt heim

Vor der Zeitenwende (3500 v. Chr. bis 293 v. Chr.) entdeckt man fünf Seuchen.

Nach der Zeitenwende (165 n. Chr. bis 1789) zählt man schon 24, darunter findet man vor allem die Pest, Pocken und Siphilis.

Nach 1800 12, darunter Fleckfieber, wieder Pest, Typhus, Cholera, Pocken, Russische Grippe (möglicherweise Pferde-Influenza) und Polio.

Nach 1900 15, darunter Typhus, Pest, Cholera, Europäische Schlafkrankheit, Polio, Spanische Grippe, Diphtherie, Asiatische Grippe, siebte Cholera-Pandemie, Marburg-Virus, Hongkong-Grippe, Russische Grippe, Milzbrand, AIDS, Virusgrippe.

Ab 2000 24, darunter EHEC, SARC-Pandemie, Virusgrippe, Marburggrippe, Vogelgrippe, Pest, Schweinegrippe, Zikafieber, Cholera, HUS-Epidemie, MERS-CoV, Legionallose (Ausbruch in Warstein),  Chikungunya-Fieber, Ebolafieber, Zikafieber (Zika-Virus), Cholera Jemen,  Dengue-Virus, Virusgrippe B/Yam, B/Vic, A/H1N1, Masern ab 2018, Virus A und B, Covid-19 (SARS-CoV-2).

Mehrere Millionen Menschen starben weltweit an diesen Krankheiten. Bis heute zählt man (Stand März 2021) 2.6 Millionen Covid-Tote.

Patricia Rutz/Toggenburg24