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01.04.2021

Tatort-Dreh: Insel Schönenwirt

Die Schönenwirt-Insel wird im nächsten Jahr zum Tatort. Bild: aa
Diese Woche fanden Dreharbeiten für den «Tatort Zürich» mit Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler statt. Gedreht wurden die beiden Folgen auf der Insel Schönenwirt zwischen Richterswil und Bäch. Eine Reportage.

Zwischen Toitois, Filmmaterial, Statisten und Technikern auf einem Floss aus Plastik halte ich meinen Atem an, um ja keinen Mucks zu machen. Gerade wird eine Szene für eine «Tatort»-Folge gedreht, und ich will nicht diejenige sein, die alles ruiniert, während alle in der heissen Sonne stehen und ihr Bestes geben.

Mittels Ipad verfolge ich die Dreharbeiten auf der Schönenwirt-Insel mit. «Ich will hei!», ruft der Schauspieler, während zwei junge Männer mit Tattoos auf dem Kopf und in den Augen ihn an einen Baum fesseln. Im Hintergrund sind Bäch und Richterswil zu sehen, vertraute Orte hinter einer actionreichen Szenerie. 

Die Dreharbeiten, die von Montag bis Mittwoch stattfanden, erregten auch die Aufmerksamkeit von Höfnern. Von einer «Corona-Party» war die Rede, Gerüchte von einem Polizei-Grossaufgebot gingen um. Alles Fake. Dennoch darf man sich durchaus fragen, ob eine solch grosse Filmproduktion in Zeiten von Corona sein darf und sein kann. Bis zu 50 Personen hätten sich zeitweise auf der 1885 Quadratmeter kleinen Insel befunden, wie Herstellungsleiter Michael Imboden von der Produktionsfirma Contrast Film Zürich GmbH, welche die Folgen hier drehte, mitteilt. Dementsprechend gross ist der Aufwand für die ganze Crew, um alle Schutzregeln einzuhalten. «Alle Schauspieler und Statisten werden jeden Tag getestet, und wer sich von der Crew testen lassen möchte, kann das auch», erklärt Imboden. Zwei mobile Waschbecken und mehrere Tischchen mit Desinfektionsmittel, Masken und anderen Hygiene-Artikeln mussten für die Produktion auf die Insel verschifft werden. Nicht zuletzt wurde ein Covid-19-Supervisor eingestellt, der aufpasst, dass auch wirklich alle Regeln und Abstände eingehalten werden. Coronafälle habe es so deshalb noch keine gegeben. 

  • Auf der schwimmenden Plattform befinden sich WCs. Bild: aa
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  • Die Schauspieler werden zwischen den Drehs mit Schirmen vor der Sonne geschützt. Die beiden Produzenten Ivan Madeo und Stefan Eichenberger geben Anweisungen. Bild: aa
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  • Am Montag starteten die Dreharbeiten auf der Insel Schönenwirt. An diesem Tag waren zeitweise bis zu 50 Personen auf der kleinen Insel. Bild: aa
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Neun Stunden Drehen für vier Minuten Film

Insgesamt acht Szenen wurden auf der Insel Schönenwirt in diesen drei Tagen gedreht. An jedem Tag sei die Crew von 9 bis 18 Uhr vor Ort gewesen, um alle Szenen zu drehen. Für insgesamt 12 Minuten Film. Das heisst: 9 Stunden Aufwand für vier Minuten Film! Im Herbst habe man sich nach geeigneten Locations umgeschaut, dabei suchte man auch eine Insel. Erst wollte man auf der Insel Ufnau drehen, da es logistisch wohl einfacher gewesen wäre, wie Imboden erzählt, doch am Schluss habe die Insel Schönenwirt Regie und Kamera überzeugen können. «Wir haben uns aus ästhetischen Gründen für die kleinere Insel entschieden.» Die Gemeinde Richterswil sei auch sehr grosszügig gewesen und sei dem Filmteam «enorm entgegengekommen». Für das Drehen auf der Insel und dem Parkplatz in Richterswil habe ein symbolischer finanzieller Beitrag gereicht. Teuer seien aber die schwimmende Plattform und die Schiffe gewesen.

Einen Teil des Equipments hat auch die Kantonspolizei Zürich beigesteuert. So etwa ein Boot und die Kleider. Auch echte Polizisten seien im Film zu sehen, wie Imboden sagt, jedoch sei es nicht erlaubt, dass diese ihre eigene Uniform tragen, da sie nicht im Dienst sind. 

Drehstart im Januar – Ausstrahlung Anfang 2022

Die beiden Folgen, die diese Woche auf der Insel Schönenwirt gedreht wurden, sollen im ersten und zweiten Quartal des nächsten Jahres ausgestrahlt werden. Mit den Dreharbeiten begonnen habe man im Januar dieses Jahres. Alle Folgen spielen sich in Zürich ab und seien mit einer Ausnahme auch im Kanton Zürich gedreht worden. Drehorte sind etwa der Prime Tower, die Universität Zürich, eine Motorjacht in Wollishofen, die Intensivstation eines Privatspitals und eine Sporthalle in Affoltern. Eine Szene in Wollishofen habe kurzfristig verschoben werden müssen, da das Wetter im Januar mit Eisregen und Minus 10 Grad für die Schauspielerin nicht zumutbar gewesen wäre.

«Der dritte Fall führt das Ermittlerinnenduo in die vibrierende Zürcher Kunstszene, wo sie einem bizarren Mord auf den Grund gehen und es dabei mit einer Künstlergemeinschaft zu tun kriegen, bei der sich Leben, Arbeit und Biografie überlagern und durchdringen», beschreibt Michael Imboden die dritte Folge, in der auch Szenen auf der Insel zu sehen sein werden. Im vierten Fall würden die beiden Kommissarinnen Tessa Ott und Isabelle Grandjean den gewaltsamen Tod einer Anwältin untersuchen, «die ein aufstrebendes Pharmaunternehmen beraten hat, das kurz vor der Lancierung eines neuen Medikaments stand.» Man darf gespannt sein.

Anouk Arbenz, Linth24/Höfe24/Toggenburg24