Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Lifestyle
26.04.2021
26.04.2021 12:39 Uhr

Mimik als Kontrast zu unseren Worten

Was verrät die Mimik dieses Mannes? Bild: schimmel-kolleg
Die Mimik ist ein wesentlicher Teil der Körpersprache. Durch den Gesichtsausdruck vermitteln wir nonverbale Inhalte. Mit der Maske ist dies nur noch bedingt möglich.

Mund beweglichster Teil des Gesichtes

Über die Mimik drückt ein Mensch mehr aus, als er es mit Worten allein könnte. Die Mimik ist gemeinsam mit der Gestik ein wichtiger Bestandteil der nonverbalen Kommunikation. Während die Gestik den gesamten Körper einschließt, da wir zumeist  mit Armen und Händen gestikulieren, beschränkt sich die Mimik auf das Gesicht. Die Kontraktion der Gesichtsmuskeln findet vor allem im Bereich der Augen und des Mundes statt. Dieser ist der beweglichste Teil des Gesichtes und verrät dem Gesprächspartner viel über die momentane Gefühlslage.

Gesichtsausdruck der Angst. (Symbolbild) Bild: spectrum.de

Aufmerksames Ansehen des Gegenübers

Die Mimik der Mitmenschen richtig zu deuten ist gar nicht so leicht. Emotionen lassen sich im Gesichtsausdruck zwar relativ einfach erkennen, sie können jedoch schnell fehlinterpretiert werden. Eine Emotion dabei wird meistens durch das Zusammenspiel verschiedener Mimiken ausgedrückt. So zeigt sich Ärger zum Beispiel über zusammengezogene Augenbrauen, weit geöffnete Augen und zusammengepresste Lippen.

Markante Punkte für den Gesichtsausdruck sind die Stirn, die Augen– und die Mundpartie. Diese können zum Teil auch scheinbar gegensätzlich verwendet werden. Man kann beispielsweise gleichzeitig lächeln und die Stirn in Falten legen.

Die Interpretation der Mimik ist immer subjektiv. Großteile der Mimik des Gegenübers deutet man häufig instinktiv richtig. Jedoch beachtet man viele kleine Mimiken nicht. Durch aufmerksames Hinschauen kann man die wahre Intention des Gegenübers besser erfassen.

Verschiedene Gesichtsausdrücke, die viel aussagen. Bild: barbara-reisen.de

Mimik natürlich verwenden.

Weniger ist mehr, dies gilt auch für alle mimischen Ausdrücke. Verwenden Sie innerhalb einer Rede oder einer Präsentation nicht zu viele oder übertriebene emotionale Gesichtsausdrücke, sondern setzen Sie sie bewusst ein, wenn Sie etwas besonders hervorheben möchten. Das Gesicht sollte zwar lebendig sein und den Redebeitrag unterstützen, der Ausdruck darf aber nicht aufgesetzt wirken.

Was möchte uns dieses Kind mitteilen? Bild: usmama.com

Lächeln wirkt positiv und zuversichtlich

Ein Lächeln wirkt freundlich und offen, es kann über Angst oder Nervosität hinwegtäuschen und das Publikum positiv auf ein Gespräch oder eine Rede einstimmen. Ein Lächeln lockert nicht nur die Stimmung auf, sondern strahlt auch eine positive, zuversichtliche Haltung aus. 

Ein Lächeln ist grundsätzlich positiv, doch ein dauerndes Lächeln kann auch unnatürlich und gequält daherkommen. Es gibt keine Menschen, die dauernd lächeln.

Was sagt wohl dieser Gesichtsausdruck aus? Bild: pixnio.com

Nonverbale Mimik erkennen

Menschen setzen ihre Mimik auch ein, um Skepsis oder Ablehnung auszudrücken. Nonverbale Mittel sind beispielsweise das Rümpfen der Nase (Abscheu, Ekel), das Hervorschieben der Unterlippe (Skepsis), Anstarren (Drohung) oder offensichtliches Gähnen (Langeweile). Sollte Ihr Gegenüber z.B. auf Ihre Worte mit Stirnrunzeln und hochgezogenen Augenbrauen reagieren, signalisiert dies Zweifel.

Kinder sind auf die Mimik angewiesen

Für die Kinder ist die Mimik ein wichtiger Faktor, den Kinder wahrnehmen, sie zeigt ihnen, wie ihr Gegenüber auf sie reagiert. Da Kinder nicht von Anfang an einen sehr breiten Wortschatz haben, brauchen sie ihre Mimik selbst, um ihre Gefühlslage zu signalisieren. Auch verstehen sie noch nicht alle Worte und können sie einordnen so wie ein erwachsener Mensch, deshalb orientieren sie sich am Gesichtsausdruck der Menschen, die mit ihnen sprechen.

Der Gesichtsausdruck dieses Mädchens verrät uns Glücklich sein. Bild: beobachter.ch

Mimik und Gestik – ein wichtiger Faktor

In der modernen Geschäftswelt hängt Erfolg nicht allein von Können und Belastbarkeit ab, sondern immer mehr auch von der Kommunikationsfähigkeit des Einzelnen. Die Körpersprache gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Geschäftspartnern und Kunden ist dabei sehr wichtig. Person und Persönlichkeit drücken sich vor allem in Auftreten, Mimik, Stimme und Bewegungen aus. Samy Molcho (Lebenslauf und Werk siehe unten) zeigt anhand konkreter Situationen aus dem Berufsalltag, wie Körpersprache funktioniert, und wie sie gezielt eingesetzt werden kann. So lernt man, die Signale des Gegenübers zu deuten und selbst die richtigen Signale zu senden.

 

Ohne Worte

Täglich benutzen wir sie, die Körpersprache, die unser elementarstes Kommunikationsmittel ist, und doch schöpfen wir bei weitem nicht alle ihre Möglichkeiten aus. Was kann man alles durch Gestik, Mimik und Körperhaltung ausdrücken, ohne ein einziges Wort!

Fachlich in Rapperswil angefragt

Als Fachperson fragten wir Gabriela Scherrer Vollenweider, eidg. Psychotherapeut ASP/VOPT von Rapperswil, was Mimik für Kinder bedeutet.

Kinder senden nonverbale Signale aus und suchen diese im Gegenüber zu verstehen.

Sprachentwicklung anstossen – Sicherheit geben

Vor dem Spracherwerb ist das Kleinkind auf das Verstehen seiner Signale für sein Überleben wichtig. Die Bezugspersonen folgen dem Feinfühligkeitskonzept (Ainsworth 1913-1999). Dabei geht es darum die Signale der Kleinkinder wahrzunehmen, richtig zu interpretieren und prompt und adäquat zu reagieren. Im Kommunikations-Spiel zwischen Kleinkind und Bezugsperson wechseln die mimischen, gestischen, lautlichen und motorischen Äusserungen ständig ab. Sie werden von beiden (Kleinkind und Bezugsperson) nachgemacht und neue Ausdrucksmöglichkeiten hinzugefügt. Die Bezugsperson benennt die nonverbalen Signale und gibt dem Kind auch noch eine sprachliche Resonanz, die einerseits die Sprachentwicklung anstösst und andererseits dem Kind Sicherheit in der Selbst- und Fremdwahrnehmung gibt.

Ein ganzes Leben

Dieser gemeinsame nonverbale Tanz in der Begegnung zwischen den Menschen setzt sich das ganze Leben fort.

Kontakt

Gabriela Scherrer Vollenweider, MSc, MAS
Eidg. Psychologische Psychotherapeutin ASP/VOPT
Das Psychotraumatologie UZH
Wiesenstrasse 11
8640 Rapperswil
www.wiese11.com

Samy Molcho. (Archivbild) Bild: Hogast

Wer ist Samy Molcho?

Samy Molcho (* 24. Mai 1936 in Tel Aviv) ist ein aus Israel gebürtiger Pantomime mit österreichischer Staatsangehörigkeit. Er hat das Kommunikationsmittel Körpersprache in mehreren Büchern beschrieben und wirkt auch als Regisseur, insbesondere für Musicals.

Molcho lebt seit 1960 in Wien und war bis 2004 Professor an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst und am Max-Reinhardt-Seminar. Weltweit bekannt wurde er als Autor durch seine Bücher über Körpersprache, die in zwölf Sprachen übersetzt wurden und die Wirkung von Gestik und Mimik auf die zwischenmenschliche Kommunikation beschreiben.

Als junger Künstler hat Molcho die Pantomime erstmals um rein psychologische und dramatische Elemente erweitert.

80 Prozent nonverbaler Ausdruck. (Symbolbild) Bild: coolandclean.ch

80 Prozent nonverbal ausgelöst

In seinen Büchern beschränkt sich Molcho nicht, wie andere Autoren, auf den Dialog oder das Verkaufsgespräch, sondern untersucht z. B. auch den Gang oder Interessantes für Ehepaare und die Familie. Nach seinen Untersuchungen werden 80 Prozent unserer Reaktionen und Entscheidungen durch nonverbale Kommunikation ausgelöst. Samy Molcho setzt sich daher für ein besseres Verstehen der Körpersprache und eine ganzheitliche Kommunikation ein.

Erhältlich sind Bücher von Samy Molcho

hier

Patricia Rutz/Toggenburg24