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Wattwil
11.05.2022
11.05.2022 22:11 Uhr

Lebhaftes Podium an der Kanti Wattwil zum Transplantationsgesetz

Podium an der Kantonsschule Wattwil, v.l.n.r. Discuss it-Moderator Sven Egloff, Nicolas Stillhart (Jungfreisinnige), Christian Vogel (SVP). Bild: Michaela Giger
Christian Vogel (SVP, Dietfurt) und Nicolas Stillhard (Jungfreisinnige, Mosnang) debattierten am Discuss-it-Podium zur Volksabstimmung vom 15. Mai 2022

Am letzten Mittwoch fand an der Kantonsschule Wattwil ein Podium vom Verein Discuss it zur geplanten Änderung des Transplantationsgesetzes statt. Über diese Änderung stimmt das Schweizer Volk am 15. Mai 2022 ab. Konkret geht es um einen Systemwechsel, wie bestimmt wird, wer von Gesetzes wegen Organspender ist. Heute gilt die Zustimmungslösung: Eine Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen ist nur dann möglich, wenn der oder die Verstorbene der Spende zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Mit der von Bundesrat und Parlament geplanten Gesetzesänderung gilt neu die Widerspruchslösung: Wer seine Organe nicht spenden möchte, muss dies zu Lebzeiten ausdrücklich festhalten. Hat eine Person nicht widersprochen, wird davon ausgegangen, dass sie ihre Organe spenden möchte.

Discuss it fördert die politische Bildung

Moderiert wurde das Podium von Sven Egloff, Projektleiter beim Verein Discuss it. Als gemeinnütziger, neutraler Verein fördert die politische Bildung von Jugendlichen. Regelmässig finden Podien an Schweizer Kantons- und Berufsfachschulen statt, so jeweils auch an der Kanti in Wattwil.

Nach einer Vorstellungsrunde ging es direkt ins Thema, wobei sich Christian Vogel und Nicolas Stillhard nichts schenkten. Einig waren sich sie einzig beim Problem: Die Organspendezahlen sind in der Schweiz verhältnismässig tief, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung grundsätzlich für die Organspende ist.

Argumente dafür – und dagegen

Nicolas Stillhard setzt sich für ein Ja am 15. Mai ein. Er sieht in der erweiterten Widerspruchslösung die Chance, mehr Menschen zu helfen, die heute lange auf ein Spendeorgan warten müssen. Dazu verweist er auf die höheren Spenderzahlen von westeuropäischen Nachbarstaaten. Wo die Widerspruchslosung gelte, erhielten mehr Menschen ein Spendeorgan. Zudem befürworte in der Schweiz eine Mehrheit der Menschen die Organspende ohnehin.  

Christian Vogel stimmt Nein am 15. Mai. Er argumentiert, dass der Systemwechsel ein schwerer Eingriff in die Freiheitsrechte und die körperliche Unversehrtheit sei. Vogel nennt es einen Organspende-Automatismus: Alle Personen wären neu von Gesetzes wegen Organspender oder Organspenderin. Wer das nicht sein will, müsse neu dem Staat für seine Grundrechte «hinterherrennen» und sein Nein in einem Register hinterlegen. Man stelle sich vor, man müsse beispielsweise ein Schild an der Haustüre aufhängen, dass man sich keinen Einbruch wünsche.

Nicolas Stillhard weist darauf hin, dass es sehr einfach bleibe, Nein zur Organspende zu sagen. Im Falle der Annahme, schaffe der Bund ein Register, in welchem man seine Meinung künftig festhalten kann. Auch der ausgefüllte Organspendeausweis sei weiterhin gültig. Sollte es weder einen geäusserten Willen geben noch Angehörige, die sich dazu äussern könnten, sei eine Entnahme der Organe wie bis anhin nicht möglich.

Christian Vogel befürchtet, dass mit dem neuen Gesetz die Angehörigen stärker belastet würden. Sie würden zwar befragt, wenn keine Äusserung des Verstorbenen vorliegt. Dennoch müssten Angehörigen aber im Türrahmen des Spitals unter hohem zeitlichem und moralischem Druck der Gesellschaft überlegen, wie sich der oder die Verstorbene entschieden hätte.

Interessierte Schülerinnen und Schüler

Die Schülerinnen und Schüler wirkten aktiv mit, stellten kritische Fragen und berichteten von ihren eigenen Erfahrungen zum emotionalen Thema. Eine elektronische Abstimmung am Handy ergab, dass eine Mehrheit der Kantonsschülerinnen und -schüler dem neuen Gesetz zustimmen würde.

Discuss it/Toggenburg24