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Kirchberg
15.07.2022
15.07.2022 15:12 Uhr

"Jede Kuh hat einen Namen"

Landwirt Lukas Bitschnau führt den Betrieb mit Herzblut. Bild: Calvin Mattes, Mattes Films AG
Lukas und Isabelle Bitschnau bewirtschaften in der Gemeinde Kirchberg einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 40 Kühen in einem modernen Laufstall. Die Annahme der Massentierhaltungsinitiative hätte auch auf ihren Betrieb Auswirkungen. Es würde bedeuten, dass der geforderte Bio-Standard in der Tierhaltung höhere Mehrkosten in der Produktion zur Folge hätte.

Am Tor zum Toggenburg, auf dem Bruberg in der Gemeinde Kirchberg, nur etwa vier Kilometer von Wil entfernt, liegt der Hof der Familie Lukas und Isabelle Bitschnau. Hier lebt und arbeitet die Familie. Landwirt Bitschnau ist Ing. Agronom FH und bildet Lernende aus.

«Ich bin hier aufgewachsen und arbeite seit meiner Kindheit auf dem Hof mit», erzählt der Landwirt. Vor acht Jahren konnte Lukas Bitschnau den Hof vom Vater übernehmen. Der Hof befindet sich nun in sechster Generation in Familienbesitz. 32 Hektar gross ist der Betrieb. Das meiste davon ist Wiesland auf dem das Dürrfutter wie Heu und Emd für die 40 Milchkühe produziert wird. 35 Mutterschweine und ein Eber sind auch auf dem Betrieb. 100 Hochstammobstbäume und etwas Ackerfläche für den Anbau von Englischem Raigras für die Saatgutproduktion ergänzen die Milchwirtschaft, die den Hauptbetriebszweig bildet.

Jede Kuh hat einen Namen

«Wir weiden viel», sagt der Bauer. Die Tiere haben viel Auslauf ins Freie. Im Sommer weiden die Tiere vorallem in der Nacht und sind tagsüber, während der Hitze, im Stall. Die Milch der Kühe liefert die Familie in die Dorfkäserei Kirchberg. Dort wird die Milch zu Appenzellerkäse verarbeitet. Die vier Kinder (3-7jährig) des Ehepaars sind oft mit im Stall und packen mit an. «Die Kinder helfen beim Füttern und beobachten die Kühe genau», sagt Isabelle Bitschnau. Sie seien auch gerne beim Melken dabei. Paloma heisst die Lieblingskuh der Kinder. «Das ist unsere einzige Jerseykuh», sagt die Bäuerin lachend. Nicht nur Paloma hat einen Namen, auch all die anderen Kühe im Stall kennt der Bauer beim Namen.

Ein moderner Stall

Dem Landwirt liegt das Tierwohl am Herzen. «Tierwohl bedeutet frische Luft, viel Licht, frisches Wasser, hochwertiges Futter, eine weiche Liegefläche, Bewegung und ein ruhiger Umgang mit den Tieren», beschreibt Lukas Bitschnau seine Definition von Tierwohl. Der Stall in dem seine Kühe untergebracht sind, ist ein moderner Laufstall. Zwei Kratzbürsten sorgen für «Wellness». Ein Mistroboter hält den Stallboden sauber und machen die Klauen der Tiere weniger anfällig für Klauenkrankheiten. Lukas Bitschnau ist überzeugt: «Wenn ich einen guten Job mache, geht es den Tieren gut und nur so auch mir und meiner Familie.»

Doch die Massentierhaltungsinitiative gibt ihm zu denken: «Die Tierhaltung in der Schweiz ist klein strukturiert, basiert auf dem strengsten Tierschutzgesetz der Welt und wird umfassend kontrolliert», sagt er. Es gäbe in diesem Land keine systematische Verletzung des Tierwohls. Im Gegenteil. «Die allermeisten Bauernfamilien kümmern sich Tag für Tag nach bestem Wissen und Gewissen um ihre Tiere.»

Ein Ja an der Urne würde für ihn nicht das Aus für seine Tierhaltung bedeuten, sagt Bitschnau. Doch nicht alle Betriebe könnten die neuen Vorgaben erfüllen. Die Tierbestände in der Schweiz würden sinken. Doch da nicht mit einer wesentlichen Reduktion des Konsums gerechnet werden könne, müssten zusätzliche Importe die wegfallenden Mengen ersetzen. «Zwar fordert die Initiative, dass für Importe die gleichen Bedingungen gelten. Es ist aber fraglich, ob dies umgesetzt werden kann.»

St. Galler Bauernverband