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Bildung
21.08.2022

Nach Spesenaffären - Neues Universitätsgesetz stärkt HSG-Führung

Ein neues St. Galler Universitätsgesetz soll die Verantwortlichkeiten der HSG-Organe klären und die Governance stärken, nachdem die Wirtschaftsuniversität durch Spesenaffären in die Negativschlagzeilen geraten war. (Archivbild) Bild: KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Die St. Galler Regierung hat das neue Universitätsgesetz verabschiedet. Es klärt die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der einzelnen Organe der Universität St. Gallen (HSG) und stärkt die rechtlichen Grundsätze, die sogenannte Governance.

Das neue Universitätsgesetz lässt der HSG und ihren Instituten grundsätzlich die bisherigen Freiräume. Senat und Rektorat unterstützen die Vorlage. Der Kantonsrat wird die Vorlage voraussichtlich in der Novembersession beraten, wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte.

Die Rollen der Organe in den verschiedenen Aufgaben - Strategie und Aufsicht, Lehre Forschung und Weiterbildung, personelle und finanzielle Führung, Rechtspflege - sollen entflochten werden. Laut Regierung war im bisherigen Gesetz "teils unklar, welches Gremium oder Organ welche Verantwortung trägt".

Das neue Universitätsgesetz schaffe Transparenz und stärke die Akzeptanz der HSG in der Politik und der Gesellschaft. Die Universität selber schreibt in einer Mitteilung von einem "Meilenstein". In den vergangenen 30 Jahren habe sich viel verändert, und die HSG sei stark gewachsen.

Spesenaffären

Die Governance habe sich im Zuge dieser Weiterentwicklung in einzelnen Fällen "als nicht mehr sachgerecht erwiesen". Gemeint sind damit die Diskussionen über Spesenbezüge und private Engagements von Professoren in den letzten Jahren. Die HSG war dadurch wiederholt in die öffentliche Kritik geraten.

Mit dem neuen Gesetz bleibt es bei der weitgehenden Selbstverwaltung der Wirtschaftsuniversität. Der Universitätsrat ist weiterhin das oberste strategische Organ der HSG. Neu werden es nur noch maximal neun, statt wie bisher elf Mitglieder sein und sie werden nicht mehr aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit, sondern nach fachlichen Kriterien ausgewählt.

Der Senat soll sich künftig neu zusammensetzen: Der sogenannte Mittelbau - Studierende, Doktorierende und Personal sollen mehr Sitze erhalten - auf Kosten der Professorinnen und Professoren. Dadurch soll es mehr Mitwirkung geben.

Rektorat gestärkt

Künftig erhält das Rektorat die Aufsicht über die Institute. Es gibt ein internes Kontroll- und Risikomanagementsystem. Überprüft werden unter anderem Spesenvergütungen oder Nebenbeschäftigungen. Das Rektorat bekommt mit dem neuen Gesetz eine "Weisungs- und Richtlinienkompetenz".

Eine weitere Neuerung ist, dass die Weiterbildung explizit als Aufgabe der HSG festgeschrieben wird. Aus selber erwirtschafteten Mitteln kann sich die Universität zudem an Spin-offs oder an Organisationen wie etwa dem Innovationspark Ost beteiligen.

Die 1898 gegründete Universität St. Gallen bildet heute über 9000 Studierende aus 90 Ländern in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechts- und Sozialwissenschaften, Internationalen Beziehungen und Informatik aus. Zusätzlich bietet die HSG Weiterbildungen für rund 6000 Teilnehmende an.

Eine Besonderheit der HSG sind ihre rund 40 Institute, Forschungsstellen und Centers, die einen integralen Teil der Universität bilden. Die weitgehend autonom organisierten Institute finanzieren sich zu einem grossen Teil selbst.

Keystone-SDA/Toggenburg24